{"id":1133,"date":"2017-01-10T12:05:43","date_gmt":"2017-01-10T10:05:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.sanktneff.de\/?p=1133"},"modified":"2017-01-13T17:16:10","modified_gmt":"2017-01-13T15:16:10","slug":"mensch-menschen-menschheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.sanktneff.de\/?p=1133","title":{"rendered":"Mensch, Menschen, Menschheit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df die deutsche Sprache ausgerechnet und m\u00f6glicherweise aus guten Gr\u00fcnden f\u00fcr ein so zentrales Wort wie &#8222;Mensch&#8220; nicht einen Reim bereith\u00e4lt: kein neuer Hut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Heinz Rudolf Kunze<\/strong> besingt das\u00a0Ph\u00e4nomen &#8211;\u00a0etwas\u00a0penetrant repetitiv &#8211; in seinem Lied &#8222;Eigentlich nein&#8220;:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Nichts reimt sich im Deutschen auf Mensch<\/p>\n<p>Nichts reimt sich im Deutschen auf Mensch<\/p>\n<p>Nichts reimt sich im Deutschen<\/p>\n<p>Nichts reimt sich im Deutschen<\/p>\n<p>Nichts reimt sich im Deutschen auf Mensch\u00a0&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber er hat ja recht, der Kunze. Im Steputat, dem einschl\u00e4gigen Reimlexikon, das nach Wortenden sortiert ist, gibt es den Eintrag &#8222;ensch&#8220; gar nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der Literaturgeschichte kenne ich vier Beispiele f\u00fcr Tricks, mit denen das Fehlen eines regul\u00e4ren\u00a0Reims auf Mensch umgangen wird:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1.<strong> Heinrich Heine<\/strong>:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Fehlt etwa einer vom Triumvirat,<\/p>\n<p>So nehmt einen anderen Menschen,<\/p>\n<p>Ersetzt den K\u00f6nig des Morgenlands<\/p>\n<p>durch einen abendl\u00e4nd\u00b4schen.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. <strong>Peter R\u00fchmkorf<\/strong> verf\u00e4hrt ganz \u00e4hnlich, vielleicht eine Spur eleganter als Heine:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Die sch\u00f6nsten Verse des Menschen<\/p>\n<p><em>&#8211; nun finden Sie schon\u00a0einen Reim!-\u00a0<\/em><\/p>\n<p>sind die Gott\u00adfried Bennschen&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. <strong>Funny van Dannen<\/strong> hat es sich etwas leichter gemacht und ist in dem wundervollen Lied &#8222;Lebewesen&#8220;, das weiter unten schon mal eine Rolle spielte, l\u00e4ssig ins Englische ausgewichen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Sie hei\u00dfen Milbe und sie hei\u00dfen Mensch<\/p>\n<p>Sie leben zusammen auf einer Ranch&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Diesen Trick habe nun wieder<strong> ich<\/strong> mir abgeschaut und in einem l\u00e4ngeren Gedicht so variiert:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">&#8222;Denn nichts ist so reizvoll wie Menschen auf Menschen.<\/span><span lang=\"de-DE\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Der Reim jetzt wird schwierig. Also: Attention!<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Let\u00b4s switch very quickly to Menschen auf Pferden,<\/span><span lang=\"de-DE\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">die am Horizont m\u00e4hlich zu P\u00fcnktchen werden.&#8220;<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schwierig ist es mit Mensch und Menschen, knifflig auch mit der Menschheit insgesamt.\u00a0 Ein Problem, das naheliegenderweise <strong>Eckhard Henscheid<\/strong> g\u00fcltig in Worte gefa\u00dft hat:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Der einzige Reim auf Menschheit<\/p>\n<p>Ist nun mal &#8211; da bei\u00dft die Maus keinen Faden ab:<\/p>\n<p>Eckhard Henscheid&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich einen Reim auf Menschheit machen m\u00f6chte, kommt um Eckhard Henscheid nicht herum.\u00a0 Das wei\u00df nat\u00fcrlich auch <strong>Wiglaf Droste<\/strong>, der den Winter ganz frisch so bedichtet:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Die B\u00e4ume haben keine Bl\u00e4tter mehr,<\/p>\n<p>sie haben nur noch Blattern<\/p>\n<p>Die Menschheit tut sich \u00e4hnlich schwer<\/p>\n<p>und z\u00fcchtet Rattennattern<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie sperrt sich in sich selber ein,<\/p>\n<p>sp\u00e4ht \u00e4ngstlich durch das Gatter<\/p>\n<p>Misstrauisch will ich niemals sein<\/p>\n<p>ich glaub, ich mach die Flatter<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach S\u00fcden ziehts mich kalamarisch<\/p>\n<p>zu Hacks&#8217;schen Dardanellen<\/p>\n<p>Selbst bis Havanna, Kuba fahr isch<\/p>\n<p>ans Meer zu Wind und Wellen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und ihr? &#8211; Z\u00e4hlt m\u00fcrrisch Geld und d\u00f6st.<\/p>\n<p>Lest, Vollidioten, Henscheid !<\/p>\n<p>Wer einen Menschen nur erl\u00f6st<\/p>\n<p>erl\u00f6st der nicht die Menschheit ?<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube, die Antwort lautet: Eigentlich ja.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da\u00df die deutsche Sprache ausgerechnet und m\u00f6glicherweise aus guten Gr\u00fcnden f\u00fcr ein so zentrales Wort wie &#8222;Mensch&#8220; nicht einen Reim bereith\u00e4lt: kein neuer Hut. 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