Unterwegs auf dem Land, in Bad Belzig und Umgebung, spazierend, laufend oder radelnd, grüße ich oft Menschen, die ich nicht kenne. Viele, die meisten, grüßen freundlich zurück. Manche haben sich offenbar entschieden, andere grundsätzlich nicht zu grüßen, sie ignorieren mich. Und dann gibt es jene, die überfordert wirken, wenn sie von Fremden gegrüßt werden, sie wissen nicht, wie zu reagieren, was nun zu tun ist – und schauen mich hilflos an.
Daran musste ich denken, als ich jetzt Eva Menasses neuen Roman „Alleinruhelage“ las, der auch in Brandenburg spielt. Darin erzählt sie von Nachbarn, die nie zurückgrüßen:
„In meiner Kindheit hatte meine Mutter in solchen Fällen, wenn ihr Gruß nicht erwidert wurde, laut Muh gesagt, was ich bewunderte, selbst aber nicht brachte.“ (S. 44)
Nichtzurückgrüßende laut anzumuhen – das finde ich eine kreative, komische Form der Notwehr.
Kühe sind ja tatsächlich sehr stur, was das Grüßen betrifft. Diese Sturheit habe ich in dem Gedicht „Du mußt an den Frühling glauben“ auch schonmal beklagt:
Frühling, Lüfte, Düfte. Kühe
grüßen dich auch heute nicht.
Wäre viel zu viel der Mühe,
muhen nicht für ein Gedicht.
Und im richtigen Leben werde ich die nächste Kuh, die nicht zurückgrüßt, mit einem lauten und deutlichen Muh zur Ordnung und Höflichkeit gegenüber Menschen rufen, die es gut mit ihr meinen.