Unterwegs auf dem Land, in Bad Belzig und Umgebung, spazierend, laufend oder radelnd, grüße ich oft Menschen, die ich nicht kenne. Einfach deshalb, weil es mir seltsam und unhöflich erschiene, auf Wald- oder Feldwegen stumm, stur und grußlos an ihnen vorbeizulaufen.
In der Stadt verhält es sich anders. Hier wäre es im Gegenteil befremdlich bis besorgniserregend und vor allem sehr anstrengend, wenn ich auch jede fremde Person, die mir auf dem Bürgersteig oder Radweg begegnet, mit einem freundlichen Gruß bedenken würde. Im Kiez ist man ja zumeist schon mit dem Grüßen und Beplauschen von Nachbarn, Bekannten und Freunden einigermaßen ausgelastet.
Viele, die meisten, der von mir auf dem Land Gegrüßten grüßen freundlich zurück. Manche Menschen aber haben sich offenbar entschieden, andere grundsätzlich nicht zu grüßen, sie ignorieren mich. Und dann gibt es jene, die überfordert wirken, wenn sie von Fremden gegrüßt werden, sie wissen nicht, wie zu reagieren, was nun zu tun ist – und schauen mich hilflos an.
Daran musste ich denken, als ich jetzt Eva Menasses neuen Roman „Alleinruhelage“ las, der auch in Brandenburg spielt. Darin erzählt sie von Nachbarn, die nie zurückgrüßen:
„In meiner Kindheit hatte meine Mutter in solchen Fällen, wenn ihr Gruß nicht erwidert wurde, laut Muh gesagt, was ich bewunderte, selbst aber nicht brachte.“ (S. 44)
Nichtzurückgrüßende anzumuhen – das finde ich eine kreative, komische Form der Notwehr.
Kühe sind ja tatsächlich sehr stur, was das Grüßen betrifft. Diese Sturheit habe ich in dem Gedicht „Du mußt an den Frühling glauben“ auch schonmal beklagt:
Frühling, Lüfte, Düfte. Kühe
grüßen dich auch heute nicht.
Wäre viel zu viel der Mühe,
muhen nicht für ein Gedicht.
Und im richtigen Leben werde ich sowohl die nächste Kuh, die nicht zurückgrüßt, als auch die nächsten sturstummen Wald- und Wiesenpassanten mit einem lauten und deutlichen „Muh!“ zur Ordnung und Höflichkeit gegenüber Menschen rufen, die es gut mit ihnen meinen.