Auf dem Olymp

Bekanntlich ist Klugscheißerei eine unangenehme Verhaltensweise.

Bekanntlich erkennt man den Klugscheißer daran, daß er seine Sätze und Vorträge mit dem Wort “Bekanntlich” beginnt.

Bekanntlich ist der Olymp in der griechischen Mythologie der  Sitz der Götter.

Umso erheiterter war ich,  als ich beim samstagmorgendlichen Gang zum Café dieses mobile Klo hier erspähte:

Olymp 1

Der Name zeugt nicht nur von der humanistischen Bildung des Anbieters, sondern auch von seinem Sinn für Humor.  Er stellte sich vermutlich schon bei der Namensfindung vor, wie der eine Bauarbeiter zum anderen sagt: “Ich bin mal kurz auf den Olymp.”

Gedoppelt wurde meine Freude am olympischen Toilettenhäuschen dadurch, daß ich bei seiner Entdeckung nicht allein war, sondern begleitet wurde von Sohn Theodor (bekanntlich griechisch für: Geschenk Gottes). Unterm Arm nämlich trug Theo ein Buch, das zum Klo paßte wie – sagen wir: Arsch auf Eimer:

Olymp 3

“Helden des Olymp” – dieser Titel gewann angesichts unserer Entdeckung auf dem Bürgersteig eine ganz neue Bedeutung. Denn sind wir das nicht alle dann und wann und irgendwie: Helden des Olymp?

Der Mann der Friseuse ist tot

Der Schauspieler Jean Rochefort ist gestorben. Ich mochte ihn sehr. Zu gern hätte ich ihn als “Don Quixote” in dem bis heute nicht realisierten, weil vom Pech verfolgten  Spielfilm von Terry Gilliam gesehen.

Unsterblich ist Jean Rochefort für mich allein durch eine einzige Szene in dem ebenso komischen wie traurigen Film “Der Mann der Friseuse”. Die Figur, die Jean Rochefort darin spielt, beschließt schon als Junge, später einmal eine Friseuse zu heiraten. Das tut er dann auch. Sein Lebensglück besteht darin, im Salon zu sitzen und seiner schönen Frau bei der Arbeit zuzusehen.  In der besagten Szene aber muß er beherzt helfend eingreifen. Schaut hin und laßt Euch hypnotisieren:

Jean Rochefort tanzt.

Wie jetzt?!?!?

Freund Andreas schickt mir dieses Foto hier aus seinem Leihwagen

Bitte nicht rauchen

 versehen mit dem Frage-Ausruf:

“Wie jetzt?!?!?”

Das Satzzeichen-Massaker ist ausnahmsweise berechtigt, denn die Semantik des Appells auf dem roten Aufkleber gibt Rätsel auf an der Zahl. Hier kommen einige – und bestimmt noch nicht alle – denkbaren Deutungen. Was also will uns der Auto-Verleiher mit seinem Aufkleber sagen?

Daß wir bitte nicht rauchen sollen und das Auto bitte auch nicht vollgetankt zurückgeben? Dann bezöge sich das “bitte nicht” sowohl auf “rauchen” wie auch auf “vollgetankt zurückgeben”.

Vielleicht aber meint “vollgetankt” auch gar nicht das Auto, sondern den Fahrer. Der bitte nicht rauchen und auch nicht trinken soll,  das Auto also nicht in “vollgetanktem = volltrunkenem” Zustand zurückgeben.

Oder der Fahrer soll “bitte nicht rauchen”, das Auto jedoch sehr wohl “vollgetankt = volltrunken” zurückgeben. Dieser Appell wäre besonders merkwürdig, weil er dem Fahrer vermittelt, nicht rauchen zu sollen, ihn aber durchaus zum Trinken ermuntert.

Möglicherweise bezieht sich das Verbot auch nur auf die Gleichzeitigkeit von Rauchen und Rückgabe. Will sagen: Der Leiher soll nicht rauchen, während er das Auto vollgetankt zurückgibt.

Schließlich: Der Fahrer soll einerseits nicht rauchen, anderseits das Auto aber trotzdem “vollgetankt = mit vollem Tank” zurückgeben. Diese Deutung des Appells würde am besten in die Zeit passen:  Eine Bitte gepaart mit Befehl, ein Verbot gekoppelt mit Forderung.

Sankt Neffs Beitrag zur Bundestagswahl (2)

Mit ein paar Leutchen saßen wir zusammen in einem italienischen Restaurant und gaben unsere Bestellungen auf. Die Kellnerin notierte, nickte konzentriert, um dann so gekonnt wie begeistert zusammenzufassen und auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen:

“Nudeln für alle!”

Wir, die Besteller, gleichfalls begeistert,  waren uns sofort einig: Eine Partei, die mit dieser Parole anträte, täten wir sofort wählen.

Sankt Neffs Beitrag zur Bundestagswahl

“Wo sagt einer: ´Ich strebe nach Glück für meine Untertanen, nach dem rechten Maß, nach Wohlstand und Ruhe, ich suche ihnen die stabilen Bedingungen zu verschaffen, unter denen die großen Güter des Lebens – die Kunst, die Familie, die Arbeit, die Würde – gedeihen können.´ Es gilt in Europa einen Bund des Glücks zu begründen, einen Bund derjenigen, die es nicht schätzen, wenn man ihnen auf die Nerven geht, und die ihrerseits die feste Zusicherung geben, den anderen nicht auf die Nerven zu gehen!”

Das ist ein politisches Programm, das mir sehr einleuchtet. Ich fand es in Vitaliano Brancatis Roman “Leonardos Freude” (S. 142), das 1941 veröffentlicht wurde und auch sonst lesenswert und lustig ist.

Ratet mal,

liebe Jungautorinnnen Alina Herbing, Juliana Kálnay, Maren Kames und Kathrin Bach, die Ihr zur gleichen Zeit am Literaturinstitut Hildesheim studiert habt und neulich

“in einer großen Altbauküche in Berlin-Neukölln”

zusammengekommen seid, um dort

“Glasnudelsalat”

zu verspeisen und mit der Journalistin Anna Fastabend von der ´Süddeutschen Zeitung´ ein Gespräch über Euer

“Schreiben, das Leben als Schriftstellerinnen und den Sexismus im Literaturbetrieb”

zu führen, in dessen Verlauf Ihr zu Protokoll gabt,

“Ilse Aichinger total spannend”

und Christa Wolf

“wichtig”

zu finden, Goethes Gretchen für ein

“krasses Opfer”

zu halten, von manchen Autoren

“nur Eisbergspitzen”

zu lesen und den Rest

“für später”

aufzusparen, Euch besonders für den

“Hallraum”

einer

“Autorinnenpersönlichkeit”

zu interessieren, für das

“Koordinatennetz von Produktionsweisen und Haltungen”,

in dem Ihr Euch

“zu Hause”

fühlt und das Euch

“als Referenzpunkt guttut”,

schließlich aber auch fordertet,

“in den Lektüren auf mehr Diversität zu achten”,

“Verhaltensweisen und Denkmuster zu hinterfragen”,

“sich auch Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse bewusst”

zu machen und

“eine stärkere Sensibilität dafür”

zu entwickeln, ratet also jetzt doch bitte mal, liebe Jungautorinnen, wieviel von Eurem Werk ich nach Lektüre dieses Interviews zu lesen Lust verspüre?

Nicht mal den Hauch einer Eisbergspitze.