Alle Beiträge von Sankt Neff

Lektionen (15)

„Bewahre dir einen verspielten Blick aufs Leben, denn der ist unerlässlich für Kreativität.“

(Mike D, ehemals Beastie Boys, Was ich gern früher gewusst hätte)

*

Ein Fußballer-Leben

 

Zuerst spielte ich mit den Großen im Garten,

meinen Cousins, meinen Onkeln,

dann mit denen, die so alt waren wie ich,

auf der Straße, auf der Wiese, auf dem Kunstrasenplatz,

später mit meinen Kindern und ihren Freunden im Park,

inzwischen nur noch mit der Katze in der Küche.

Finde aber nicht,

daß es weniger Spaß macht als früher.

Meine Freude am Spiel immer größer als mein Vermögen.

Zementmischer (30)

Tochter Elisabeth war als Au-pair für sechs Wochen in Südfrankreich und schrieb von dort:

„So Papa, am letzten Tag, wie es das Schicksal wollte, habe ich es noch geschafft: ein Foto von einem Zementmischer in Cascastel. Direkt daneben eine Kirche mit einer Maria und schönen Komorebi.“

Hier also der Zementmischer in selten schönem Blau:

Daneben die Maria samt Komorebi:

Was ist oder sind eigentlich Komorebi? Fragte ich mich und fragtet Ihr Euch vielleicht auch. Das ahnte die Tochter und schickte im selben Moment die Erklärung hinterher:

„Komorebi (木漏れ日) ist ein japanisches Wort für das Sonnenlicht, das durch die Blätter und Äste von Bäumen fällt und ein tanzendes Licht- und Schattenspiel  auf Wänden oder dem Boden erzeugt.“

Hach, vermutlich ein Sinn des Daseins: sich, wann immer es das Leben und die Welt zulässt, an Licht- und Schattenspielen freuen.

Zementmischer (29)

Anke ist voll eingestiegen in das „Zementmischer“-Thema und schreibt aus Italien:

„Noch ein Nachtrag zum Zement- bzw. Betonmischer:

Eigentlich war ich jetzt tiefenentspannt und voll und ganz zufrieden, was die Unterscheidung von Zementmischer (Kleinformat) und Betonmischer (Großformat) anbelangt und fühlte mich bestätigt und überzeugt von den Schwesterfotos aus Griechenland, die ich mit diesem aus San Nicola (eine der Isole Tremiti) dokumentieren und verfestigen wollte, auch wenn mir deren Präsenz unmittelbar neben dem Denkmal für die Gefallenen unpassend erschien:

Dann sehe ich aber im Baumarkt in Rom etwas Verstörendes, nämlich diese Gesellen, zum Verkauf, namens Betoniera:

Was sagt Ihr dazu?“

Ich sage dazu: Beide Fotos gefallen mir ausnehmend gut. Oben vor allem der orange-farbene Kanister als Farbtupfer. Und in meinen Augen halten sich die Zementmischer durchaus pietätvoll im Hintergrund und stören das Angedenken im Vordergrund nicht.

Bei den vier noch makellosen Gesellen in Rom mag ich die Choreographie: Alle vier schauen in verschiedene Richtungen. sieht irgendwie aus wie eine Boygroup.

Schließlich: Damit daß die Zementmischer in Italien „Betoniera“  heißen, kann ich gut leben. Im Italienischen bekommt der Zementmischer dadurch eine fast feminine Anmut.

Meine Lieblings-Betoniera-Geschichte verlinke ich hier nochmal:

Zementmischer (14) | Sankt Neff

Viel wäre schon gewonnen, wenn

Ich habe hier schonmal beschrieben, daß ich, hätte ich eine Partei, mit dem Slogan

„Nudeln für alle!“ 

in den Wahlkampf ziehen würde.

Inzwischen zöge ich auch

„Contenance als Chance“

in Betracht.

 Denn,

viel wäre schon gewonnen,

wenn

weniger krakeelt würde,

Empörung seltener Selbstzweck wäre, seltener nur ein Mittel, um Aufmerksamkeit und Reichweite zu generieren,

häufiger zugehört würde mit echtem Interesse an der Perspektive der anderen,

wenn also öfter mal, wie von Axel Hacke empfohlen, die erlösende Wirkung des Satzes

„Ich werde darüber nachdenken.“

zu erfahren wäre.

Soweit meine bescheidenen Worte zur heutigen Wahl in Berlin.

Was schmerzhaft schön ist

Wenn dein frisch ausgezogener Sohn, der jetzt in einem anderen Stadtteil wohnt, samstagmorgens noch vor dir im Café sitzt, weil auch er das jahrelange Ritual offenbar liebgewonnen hat, du ihm dann feierlich einen Rasierpinsel samt Seife als Geschenk überreichst, weil er nach jahrelangem Teilen des selben jetzt ja einen eigenen  braucht, der Sohn dann nach dem Auspacken feststellt, daß der Pinsel heißt wie er, nämlich „Theo“, was dir gar nicht bewußt war, denn den Rasierpinsel samt Seife hatte der Verkäufer im Geschäft gleich verpackt, dann kann dieser eh schon emotional aufgeladene Akt plus Namens-Zufall schonmal dazu führen, daß du so diskret wie möglich drei bis vier Tränchen zu verdrücken hast –

– wenn Ihr versteht, was ich meine.

Die man Familie nennt

„Die Nächte waren sowieso immer zu kurz. Das alles zusammen, die übergroße Nähe, die vielen Emotionen und der Schlafmangel, erzeugt diese spezielle Reibungsenergie, die man Familie nennt. Während die Kinder klein sind, während diese Reibung einen pausenlos nervt und bedrängt und man um Ruhe, Besinnung, Luft und Abstand ringt, ist unvorstellbar, dass man das alles eines Tages vermissen könnte.“ 

(Eva Menasse, „Alleinruhelage“, S. 55)

Zementmischer (28)

„Ist ein Betonmischer eigentlich identisch mit einem Zementmischer?“

Sehr gute Frage von Anke in ihrem superinteressanten Kommentar zu meinem Eintrag „Zementmischer (27)“.

Genaugenommen müsste ich wohl „Betonmischer“ sagen, denn Zement ist ja nur das Bindemittel, das zusammen mit Wasser und Sand oder Kies zu Beton gemischt wird. Sowohl die großen LKW-Mischer als auch die kleinen Trommelmischer heißen also, wenn man´s eng sieht, „Betonmischer“.

Weil ich´s aber nicht so eng sehe, habe ich mich schon vor langer Zeit entschieden, die pittoresken kleinen als

„Zementmischer“ 

zu bezeichnen und die für Großbaustellen gedachten LKW als

„Betonmischer“. 

Im kleinen Ort Vathy auf der kleinen griechischen Insel Meganisi gibt es natürlich auch nur die niedlichen kleinen Trommelmischer, wie diese wertvollen Dokumente von Schwester Sabine beweisen:

Seht Ihr: Die Bezeichnung „Betonmischer“ wäre doch hier irgendwie unangebracht, oder? 

Anagramme

Als ich vor ein paar Tagen im Radio eine Besprechung des neuen Romans von Monika Maron hörte, fiel es mir wie Schuppen aus den Ohren:

 

Maron

 

ist ja ein Anagramm von

 

Roman!

 

War mir nie aufgefallen. Aber der Monika wird das sicher bewußt sein. Vielleicht schreibt sie auch deshalb lieber Romane als Gedichte.
Und der Literaturkritikerin, der ich lange schon kollegial verbunden bin, wird auch bewußt gewesen sein, was sie tat, als sie vor einigen Jahren ihren erstgeborenen Sohn

 

Roman

 

nannte. Gottseidank hat er einen ganz normalen Nachnamen. Denn

 

Roman Maron

 

wäre des Guten und der Bürde auch wirklich zu viel gewesen.

Zementmischer (27)

Kaum hatte ich den Zementmischer von Beatrix aus dem Berner Oberland gepostet, schickte mir Neffe Jakob einen aus dem Siebengebirge:

Was wir hier nicht sehen können, aber wissen müssen, ergänzt Jakob: Der Zementmischer stehe auf dem Drachenfels „ganz oben“:

„Der hat ne tolle Aussicht hier.“

Die gönnen wir ihm. Und die denken wir uns mit.

Zementmischer (26)

Der Zementmischer in seinem bestäubten Rot ist an sich schon sehr ansehnlich. Aber selten habe ich einen so spektakulären Hintergrund gesehen wie diesen hier, den Freundin Beatrix im Berner Oberland dokumentiert hat:

Stolz präsentieren die Alpen von links nach rechts:

Eiger, Mönch und Jungfrau.