hat man, wenn in Bad Belzig mal wieder der Storch zuhause ist:
Ein paar Sekunden später flog er schon weiter: vermutlich, um für die Jungen im Nest neue Nahrung ranzuschaffen. Bestimmt nicht so leicht bei Trockenheit und Hitze.
Früh schwitzend erwacht.
Tagsüber kühlt kein Lüftchen.
Schwitzbold auch nachts noch.
*
Heißer Tag
Ich in Unterhose sitz,
schwitz hier vor mich hin,
lieg und dös und sitz und schwitz
– heute mehr nicht drin.
Heute wär nur dann mehr drin,
wenn ich wär am Meer.
Weder am noch im ich bin.
Hitze hier ist sehr.
Sehrend ist die Hitze hier
und kein Meer in Sicht.
Zwar kein Meer, doch kühles Bier
– Kühlschrank auf: Und Licht!
Kühle Flasche, erster Schluck,
sei gebenedeit,
heiligheilig und gluckgluck,
alles fließt, all right.
Nehme neue Flasche Bier,
trinke, trinke, leer.
Habe bald ein Meer in mir,
brauch kein andres mehr.
*
Verschwitzt aus der Bahn,
Dumpfhirn sucht Heil im Kühlen:
Kopfüber ins Bier.
Vater: Warum so in Eile?
Tochter: Gleich beginnt das Spiel.
Vater: Welches Spiel?
Tochter: Usbekistan gegen Portugal.
ist noch irritiert, wenn eigentlich erwachsene Menschen jenseits der 35 von ihren Eltern als „meine Mama“ oder „mein Papa“ reden?
Mir scheint das seit einiger Zeit in Mode zu sein. Und auch wenn ich selbst durchaus innig und liebevoll an meine Mutter und meinen Vater denke: Sie Freunden oder gar Fremden gegenüber als „meine Mama“ oder „mein Papa“ zu bezeichnen, käme mir nicht in den Sinn, weil merkwürdig, wenn nicht infantil vor.
Was mag der der Grund sein für diese neue Kindlichkeit? Was wollen die so Redenden sich oder ihrem Gegenüber signalisieren?
Fragen über Fragen. Während ich auf Antwort warte, freue ich mich an einem guten Song von „The Mamas & The Papas“ und finde es mehr als okay, daß sie nicht „The Mothers & The Fathers“ heißen – auch weil es ein Zuviel an Tiaitsch im Namen wäre.
P.S. Das Video hält einige witzige Details bereit, zum Beispiel die Banane, die die Sängerin Michelle Phillips während des kurzen Auftritts ißt. Überhaupt setzt die Band sehr kreativ so ziemlich alle Regeln des Playbacks außer Kraft.
P.P.S. Benannt hat sich die Band übrigens nicht nach ihren Mamas und Papas, sondern der Name ist laut Wikipedia angelehnt an eine Angewohnheit der „Hells Angels“, die ihre Freundinnen als „Mamas“ bezeichneten.
Es scheint, als seien zur Zeit viele, wenn nicht alle in Wien. Jetzt auch Petra und Martin, die mir aus der Myrthengasse ein feines Fundstück funkten:
Der geniale Mann konnte vieles gleichzeitig, aber eben nicht überall gleichzeitig sein. Gut zu wissen, daß er an diesem speziellen Tag an diesem speziellen Ort NICHT war.
Irgendwas mit Geld.
Wenn ich mal wieder in Wien war
für ein paar Tage,
und wenn ich dann aus Wien wieder wegfahr
nach ein paar Tagen,
denke ich:
Daß das Leben hier,
am Tresen des Café Anzengruber,
auf dem Klappsitz vor der Buchhandlung phil,
daß das schöne Leben
hier und jetzt
ohne mich weitergeht –
– geht eigentlich nicht.
Andererseits,
denke ich:
Daß sie es hinkriegen hier,
vorher und nachher,
daß sie es möglicherweise, wenn nicht gar vermutlich,
kaum, wenn nicht gar gar nicht bemerken,
die anderen,
daß ich noch nicht hier bin oder nicht mehr,
meine Abwesenheit vorher und nachher,
kurzum:
Daß es im Notfall auch ohne mich geht –
– irgendwie und eigentlich tröstlich.
Das Literaturhaus Wien ist ein sehr unkommerzieller Ort: Der Eintritt ist kostenlos, es gibt nichts zu kaufen und das Geld fürs Schließfach bekommt man natürlich wieder. Wer keine Schillinge dabei hat, weil es diese Währung lange schon nicht mehr gibt, kann auch eine 2-Euro-Münze einwerfen.
Die kleine Ausstellung „Ach die dumme Literatur!“ mit Cartoons von Nicolas Mahler ist liebevoll gestaltet und bezieht sogar die Klotüren mit ein. Die Frauen schauen nach Ingeborg Bachmann, die Männer nach Max Frisch.
Sehr gut gefallen hat mir auch die zartgrüne Schreibmaschine von Friederike Mayröcker samt eingespanntem Text:
Großartiger Satz:
„möchte auch ein Japaner sein“.
*
Nicht aber die kleine Ausstellung im Literaturhaus, sondern die große im Museum Leopold mit Werken von Gustave Courbet war der eigentliche Anlaß meiner Reise.
Hier hat sich der Maler, der ein leidenschaftlicher Pfeifenraucher war, selbst porträtiert:
Mein Schwipp-Neffe Leonard, der kurz nach mir für ein paar Tage in Wien weilte, wies mich zurecht darauf hin, daß dieses Bild namens „Selbstbildnis in Gestalt einer Pfeife“ aus dem Jahr 1858 aus heutiger Sicht, also post Magritte, eigentlich
„Ceci n´est pas un portrait“
heißen müsste.
Courbet konnte natürlich aber auch richtige Porträts. Und was für welche! Zum Beispiel dieses hier, das seinem Freund Paul Ansout zeigt:
Ich habe früher mal geschrieben:
Wenn ich mir was wünschen dürfte: Meine Kindheit, von Nabokov beschrieben.
Genauso wünschenswert und genauso unrealistisch:
von Courbet gemalt zu werden.
Auch Courbets bekanntestes Werk, „Der Ursprung der Welt“, wurde in Wien ausgestellt. Eine Wärterin saß immer ganz in seiner Nähe, vermutlich, um es vor fehlgeleiteten Menschen zu schützen, die Sinnlichkeit mit Pornographie verwechseln. Das Gemälde wirkt in seiner göttlichen Detailfreude auch heute noch so unerhört, daß sich die meisten Museumsbesucher kaum trauten, für mehr als ein paar Sekunden in seiner Nähe zu verweilen – und wenn doch, dann eher Frauen als Männer.
*
Was wirklich schön war: Wien mal im Frühling zu erleben.
Ich war da.
Genoss das Sackerl, in das die Buchhändlerin Anna Jeller mein Friederike Mayröcker-Buch steckte, das Pickerl, das mir Einlass ins Freud-Haus gewährte, die vielen Krügerl, die ich am Tresen des Café Anzengruber trank – und natürlich Kaffee aller Art.
Jetzt bin ich wieder hier.
Wer immer in Wien ist, sollte nicht versäumen, sich liebgewonnene Gegenstände hier versilbern oder aber schon versilberte Gegenstände instandsetzen zu lassen.
Was in Wien auch geht: sich Eßbestecke und Tafelgeräte erzeugen lassen:
Wer gar in Wien wohnt, kann sich glücklich schätzen. Denn auch die Wiener Schornsteinfeger, die hier Rauchfangkehrer heißen, sind ausgesucht höflich und um deine Sicherheit besorgt:
Und wenn mal etwas verboten ist, zum Beispiel das Plakatieren, gibt es dafür immer einen guten Grund, zum Beispiel die Wiener Plakatierverordnung:
Das Handwerk des Backens und das Handwerk des Reimens reichen sich in Wien geschwisterlich die Hand:
Und die Frisörinnen und Frisöre sind hier ähnlich wie in Berlin bereit, für dich durch die Wortspielhölle zu gehen: 
Den Roman „Die Strudlhofstiege“ von Heimito von Doderer besitze ich schon seit vielen Jahren. Lange blieb er ungelesen, obwohl ihn mir mehrere zurechnungsfähige Menschen ans Herz gelegt haben. Diesmal nahm ich ihn dorthin mit, wo er hingehört. Nicht weit vom Freud-Haus ist die Strudlhofstiege.
Für mein Buch fand ich ein pittoreskes Plätzchen am Fuße der Stiege:
Und noch in Wien habe ich begonnen, den Roman auch endlich zu lesen.