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Katzenmusik (2)

Katzenmusik meint ja eigentlich unschöne, disharmonische Musik und leitet sich wohl ab von den Lauten, die rollige Katzen von sich geben.

Hier möchte ich sie aber lieber verstanden wissen als Musik, die von Katzen handelt, Lieder, die Katzen besingen, wie eben Gino Paolis „La Gatta“.

Oder aber Musik, die von Katzen goutiert wird, die Kater zum Schnurren bringt, wie die Gitarre in Gino Paolis „La Gatta“.

Freund Andreas, der selbst schon eine jahrzehntelange Liebesbeziehung zur Gitarre unterhält, schickte mir neulich ein Zitat. Es stammt von einem Mann aus Bukarest, der online eine Gitarre bewertete und dabei diesen lieben Satz hier schrieb:

„Ich bin ein Autodidakt, die Matteo Carcassi Gitarrenschule war meine einzige Hilfe, also kein Profi, ich spiele für mich, meine Frau und meine Katze.“

Hier spricht, scheint mir, ein guter Mensch. Denn wer Gitarre spielt, nur für sich, seine Frau und seine Katze, kann ganz schlecht nicht sein.

Katzenmusik

Ich hatte eh vor, hier eine kleine Reihe mit Liedern über Katzen zu veröffentlichen.

Dann nehme ich halt jetzt den leise traurigen Tod Gino Paolis zum Anlaß, damit zu beginnen.  Denn „La Gatta“ ist Katzenmusik in doppeltem Sinne. Das Lied besingt einerseits eine Katze, die ihrerseits zu schnurren begann, wenn die Gitarre erklang. Doch hört sie selbst, diese wunderschöne Weise:

Und hier kommt die recht wortgetreue, aber natürlich nicht ganz so klangschöne Übersetzung, die Sabina und Stefano Ponte 2023 auf der Terrasse von Zio Nando erstellt haben:

 

Die Katze

Es war einmal eine Katze

Die hatte einen schwarzen Fleck auf dem Näschen

Auf einem alten Dachboden nah am Meer

Mit einem Fenster, nur einen Sprung vom blauen Himmel entfernt

 

Wenn ich Gitarre spielte

Schnurrte die Katze

Und ein kleiner Stern fiel herab, ganz nah, ganz nah

Dann lächelte sie mich an und ging wieder hoch

 

Jetzt wohne ich nicht mehr dort

Alles hat sich verändert

Ich wohne nicht mehr dort

Ich habe ein wunderschönes Haus

So schön wie du es dir wünschst

 

Aber ich denke zurück an die Katze

Die einen schwarzen Fleck auf dem Näschen hatte

Auf einem alten Dachboden nah am Meer

Mit einem kleinen Stern, den ich jetzt nicht mehr sehe

Gino Paoli

Jetzt ist schon wieder was passiert.

Nämlich Gino Paoli gestorben, einer meiner italienischen Lieblings-Sänger, den ich für seine zarte Stimme, die Melodien und Texte seiner Canzoni verehre.

91 Jahre alt ist er geworden. Einen Großteil seines langen Lebens hat er unglaublicherweise mit einer Kugel im Herzen verbracht, Folge eines Suizidversuchs in den 60er Jahren. Die Kugel habe ihn das Leben intensiver leben lassen, sagte er, aber auch immer daran erinnert, daß es irgendwann zu Ende sei.

Gino Paoli wohnte in Campiglia Marittima, ganz in der Nähe meiner italienischen Schwester. Ich hatte immer die Hoffnung, ihm mal auf dem Marktplatz über den Weg zu laufen. Daraus wird jetzt nichts mehr.

Uns bleibt aber die Schönheit, mit der er den Himmel in einem Zimmer postkoital poetisch besungen hat:

Kann ja wohl nicht wahr sein,

daß Chuck Norris jetzt wirklich gestorben sein soll.

Vorgestern erreichte uns die Meldung und sofort kursierten sie wieder, die einschlägigen Witze. Das muß ihm erstmal einer nachmachen: mit dem eigenen Tod eine globale  komische Ketttenreaktion in Gang zu setzen.

Behauptet wurde zu meiner Freude auch, Chuck Norris sei eigentlich schon vor zehn Jahren gestorben, der Tod habe aber bis dato nicht den Mut gehabt, es dem Betroffenen zu sagen.

Das glaube ich gerne – und copypaste nochmal, was ich vor ziemlich genau einem Jahr hier zu seinem 85. Geburtstag geschrieben habe:

Der Kampfkünstler und Action-Schauspieler Chuck Norris wird heute 85 Jahre alt.  Mit seinem filmischen Oeuvre bin ich nicht allzu vertraut und auch in seine dem Hörensagen nach fragwürdige Weltanschauung habe ich mich nicht vertieft.

Was ich aber mag, sind Chuck Norris-Witze, die zumeist auf seine übermenschlichen physischen und mentalen Fähigkeiten abheben bzw. auf die der Figuren, die er spielte, und die fast immer nur aus einer Zeile bestehen.

Neffe Jakob war eine Weile ein lebendiges Lexikon dieser One- oder Twoliner, von denen es im Netz unzählige gibt. Besonders gefallen mir diese drei:

Chuck Norris kann Drehtüren zuschlagen.
Chuck Norris kennt die letzte Ziffer von Pi.

Das Auto von Chuck Norris braucht kein Benzin. Es fährt aus Respekt.

Solcherart Witze flogen zwischen Jakob, mir und meinen Kindern hin und her.  Das Söhnchen erfand dann selbst einen:

Nicht die Hoffnung stirbt zuletzt, sondern Chuck Norris.

Nicht schlecht, oder? Zudem am 17. Juli 2017 von der Wirklichkeit verifiziert. Denn an diesem Tag überlebte Chuck Norris zwei Herzinfarkte.

P.S. im März 2026: Wenn aber nicht die Hoffnung, sondern Chuck Norris zuletzt stirbt, heißt das nicht im Umkehrschluß,  daß auch die Hoffnung schon gestorben sein muß?

 

Wollen wir nicht hoffen.

Zur Sonne

Auf der Rolltreppe raus in die Sonne zu fahren,

ist ein großes Vergnügen. Ich hab es seit Jahren

 

immer dann, wenn ich morgens die U-Bahn verlasse,

hoch zum Kaiserdamm, Laufrichtung Bredtschneiderstraße.

 

Und ich träume an strahlenden Tagen seit Jahren:

auf der Rolltreppe rauf bis zur Sonne zu fahren.

Und noch ein komischer Heiliger

Noch ist es ja möglich, immer wieder mal, einfach so zwischendurch und kostenlos, weil man gerade in der Gegend ist, in den Kölner Dom hineinzuspazieren, zum Gerhard-Richter-Fenster zu pilgern, durch dessen Lichteinfall Gott höchstpersönlich zu uns spricht, ein Kerzchen anzuzünden, um lieber toter Menschen zu gedenken – und sich dann planlos noch ein wenig treiben zu lassen und umzuschauen in dieser großen, strengen Kirche. So taten es Theodor und ich auch zuletzt wieder – und entdeckten dabei einen marmornen Heiligen, der uns bislang verborgen geblieben war:

Engelbert heißt er.

Ich wußte nichts über ihn. Was ich dann nachlas, klingt nicht so heiligmäßig:

Im 13. Jahrhundert war Engelbert Erzbischof von Köln und wird beschrieben als ein „brutaler, rücksichtsloser Machtmensch“.  Am 7. November 1225 wurde er in einem Hohlweg in Gevelsberg erschlagen. In den Mord verwickelt war offenbar sein Widersacher Friedrich von Isenberg, der seinerseits ein Jahr später in Köln gerädert wurde. Friedrich soll die Angreifer im Kampf gegen Engelbert einerseits angefeuert, andererseits aber immerhin die Enthauptung der Leiche verhindert haben.

Die Gebeine Engelberts werden heute in einem kostbaren Schrein in der Schatzkammer des Kölner Doms aufbewahrt, das separat bestattete „Herz des Heiligen“ ist im Altenberger Dom zu besichtigen. Fingerreliquien befinden sich in Solingen und in der Währinger Pfarrkirche in Wien. Dort vorgehalten wird auch das Stück einer Rippe und in Gevelsberg ein Teil des Unterarmes.

Wikipedia weiß zudem, daß im Jahr 1978 Gerichtsmediziner die Gebeine Engelberts untersuchten und dabei fast 50 Verletzungen durch Hiebe und Stiche nachwiesen: „Die hohe Zahl der tiefen Verletzungen wird als Zeichen heftiger Gegenwehr Engelberts und panischer Reaktion der Angreifer interpretiert, da bereits wenige dieser Hiebe sicher tödlich gewesen sind.“

Der Engelbert war also vermutlich ein eher böser Mensch, der ein brutales Ende fand.

Denkt man nicht, oder, wenn man ihn so sieht als lustige Liegefigur, die ein geflügelter Putto zärtlich am Finger berührt?

Die ganze üble Geschichte zu einer Ballade verdichtet hat übrigens Annette von Droste-Hülshoff. Liest Du hier:

Der Tod des Erzbischofs Engelbert von Köln