Der große Polt (4)

Die Festwochen zu seinem 80. Geburtstag sollen hier zu Ende gehen mit einem Zitat, das den großen Polt in seiner bewunderungswürdigen Unaufgeregtheit auf den Punkt bringt. Max Fellmann und Alex Rühle von der ´Süddeutschen´ riefen kurz vor dem Interview-Termin bei Polt an, weil sie fürchteten, wegen Stau verspätet einzutreffen. Seine Antwort am Telefon:

„Mei, kein Problem, es geht ja um nix.“

Eine kurze Lektion in Stoizismus, von dem ich mir drei bis sieben Scheiben abzuschneiden gedenke.

Wie schön, daß wir mit diesem großen Mann zeitgleich auf der Welt sein dürfen.

Der große Polt (3)

Der große Künstler hat es nicht nötig, über sich und seine Kunst großsprecherisch zu sprechen. Alles Prätentiöse, angeberisch Exegetische ist ihm fremd. Deshalb faßt der große Polt sein Werk, sein Wirken so zusammen:

„Ich kläre nicht auf. Ich trinke Bier.“

Darauf mindestens zwei große Augustiner!

Der große Polt (2)

Die Abwesenheit von Humor ist eine Voraussetzung für Fanatismus.  Humor meint hier die Fähigkeit, zu sich selbst, den eigenen Anschauungen, auf Distanz zu gehen, sie und sich kwasi von außen zu betrachten.

Auch dazu sagt Gerhard Polt in dem erwähnten Interview Erhellendes:

„Du liest einen Artikel über Kosmetik und Schönheit, dann gehst du ins Bad, siehst dich im Spiegel und musst über dich selber lachen. Ist schließlich erstaunlich, was ich daherbringe an Metamorphosen. Das ist Selbstironie. Das Gegenteil dazu ist der Hass der Impfgegner. Wenn Hunderte von Leuten ein Krankenhaus stürmen und auf Pfleger losgehen, dann fehlt da jede Selbstdistanz und jede Fähigkeit, das eigene Urteil zu relativieren. Diese Gnadenlosigkeit der Eiferer: Ich muss den Menschen beseitigen. Das ist außerhalb meiner Vorstellungskraft.“

Der große Polt

wird heute achtzig. Immer wenn dieser Mann spricht, auf der Bühne, im Interview, kommt Kunst heraus. Alles was dieser Mann sagt, scheint mir kunstvoller als das, was ich über ihn sagen könnte. Deshalb lasse ich lieber ihn sprechen mit Hilfe einiger Zitate aus einem langen Interview der ´Süddeutschen´ vor einer Woche. Hier geht es um Langsamkeit:

„Ich bin ein langsamer Mensch. Es ist ja so: Du kannst nicht Zeit gewinnen. Drum bin ich immer erstaunt, wenn mich einer schnell überholt. Dann denk ich, aha, den pressiert´s. Selbst wenn´s mir pressieren würde, ich würde trotzdem nicht schnell fahren.“

Allein dieses „Selbst wenn´s mir pressieren würde“ ist Gold wert. Denn: Unvorstellbar, daß es ihn pressieren könnte. Die Seelenruhe beim Autofahren, auf der Bühne, im Leben – vielleicht ist das eine der Voraussetzungen für große Komik. Ich meine mich zu erinnern, daß auch Helge Schneider sich mal irgendwo als sehr langsamen Autofahrer bezeichnete. Während ich mir Mario Barth als großen Drängler vorstelle.

Aber lieber weiter mit Gerhard Polt:

„Das ist eben mein Charakter. Ich glaube nicht, dass man Zeit gewinnen oder verlieren kann. Ich habe sie nicht. Ich bin kein Zeitbesitzer. Man hat ja die Zeit nur geliehen. Bestenfalls geleast. Und wissen Sie was, ich habe mal den Kabarettisten Otto Grünmandl besucht, kurz bevor er gestorben ist. Und da hat er in seinem herrlichen Tirolerisch gesagt: Gerhard, weisch, i sterb jetzt amol derweil … und dann schauma weiter.“

Seelenruhe noch im Angesicht des Todes. Und zumindest in diesem Fall stirbt die Komik zuletzt.

Truckspotting (5)

Truckspotting: Diesen Spleen haben wir uns, wie schon mehrfach erwähnt, als pandemische Draußenrumsteher zugezogen, Bademeister Matthias, Trauma-Anne und ich. Aber keiner zückt das Handy schneller, wenn es attraktive Trucks zu fotografieren gibt, als eben jene Anne Janzen. Diesen schönen Lastwagen hat sie vor der „Bar Italia“ gespottet:Den hier trotz Regens:

Und den schön in der Kurve:

Wer ganz nah ranzoomt an den Frick-Truck, erkennt: Sein Fahrer heißt Bernie. Sei gegrüßt.

Wie ich ausnahmsweise einmal schlagfertig war

Weiter unten („Or whatever“) habe ich beschrieben, wie ich leider wieder einmal nicht so schlagfertig war, wie ich gerne wäre. Die wirklich guten, schlagenden Antworten fallen mir immer erst später, allein, ein.

Einmal aber war es anders.  Wir machten Urlaub in einer Wohnung in Apulien. Eines Abends äußerte ich Frau A. gegenüber die Befürchtung, aus Versehen das Wasser aus der Plastikflasche getrunken zu haben, in der bis kurz vorher eine Rose gestanden hatte. Sie war ein Andenken an die Hochzeit, die wir als Augenzeugen in dem Städtchen Pescici erlebt hatten. Als die Rose hinüber war, entsorgten wir sie, ließen die Plastikflasche samt Blumenwasser aber stehen.

Frau A. fragte mich, wie ich mich jetzt fühle, nachdem ich möglicherweise das Wasser aus der Flasche getrunken hatte, in der bis kurz vorher die Rose gestanden hatte. Und dann kam meine gar nicht mal so unschlagfertige Antwort. Sie lautete:

„Etwas blümerant.“

Am nächsten Morgen sprachen wir nochmal über diesen Dialog, auf den ich, wie ich finde, zurecht ein wenig stolz war. Und Frau A. gestand, diesen, wie ich finde, ziemlich schlagfertigen Witz erst jetzt verstanden zu haben.

P.S. Ich weiß, daß das Wort „blümerant“ ethymologisch betrachtet nichts mit Blumen zu tun hat. Für die Güte des Witzes ist das aber unerheblich. Wie ich finde.

Vergangener Humor

Daß einem der Appetit vergehen kann angesichts von Unbill, ist klar.  Der Humor auch? Offenbar schon. Die ´Süddeutsche Zeitung´ hat den für seinen Witz bekannten Schriftsteller Andrej Kurkow zum Krieg in der Ukraine befragt. Kurkow wurde in Sankt Petersburg geboren, wuchs in Kiew auf und lebt zur Zeit in der Westukraine. Das Interview endet so:

SZ: Was ist vom Humoristen Andrej Kurkow geblieben?

AK: Ich habe keinen Humor mehr.

SZ: Hat der Humor eine Chance, wiederzukehren?

AK: Ich hoffe es, aber ich weiß es nicht.