Muh!

Unterwegs auf dem Land, in Bad Belzig und Umgebung, spazierend, laufend oder radelnd, grüße ich oft Menschen, die ich nicht kenne. Viele, die meisten, grüßen freundlich zurück. Manche haben sich offenbar entschieden, andere grundsätzlich nicht zu grüßen, sie ignorieren mich. Und dann gibt es jene, die überfordert wirken, wenn sie von Fremden gegrüßt werden, sie wissen nicht, wie zu reagieren, was nun zu tun ist –  und schauen mich hilflos an.

Daran musste ich denken, als ich jetzt Eva Menasses neuen Roman „Alleinruhelage“ las, der auch in Brandenburg spielt. Darin erzählt sie von Nachbarn, die nie zurückgrüßen:

„In meiner Kindheit hatte meine Mutter in solchen Fällen, wenn ihr Gruß nicht erwidert wurde, laut Muh gesagt, was ich bewunderte, selbst aber nicht brachte.“ (S. 44)

Nichtzurückgrüßende laut anzumuhen – das finde ich eine kreative, komische Form der Notwehr.

Kühe sind ja tatsächlich sehr stur, was das Grüßen betrifft. Diese Sturheit habe ich in dem Gedicht „Du mußt an den Frühling glauben“ auch schonmal beklagt:

Frühling, Lüfte, Düfte. Kühe

grüßen dich auch heute nicht.

Wäre viel zu viel der Mühe,

muhen nicht für ein Gedicht.

Und im richtigen Leben werde ich die nächste Kuh, die nicht zurückgrüßt, mit einem lauten und deutlichen „Muh!“ zur Ordnung und Höflichkeit gegenüber Menschen rufen, die es gut mit ihr meinen.

Lektionen (14)

„Mach so viele Nickerchen wie möglich.“

(Vincenzo Latronico, Was ich gern früher gewusst hätte)

*

Sonett vom Mittagsschlaf

 

Ist Mittagszeit und dazu muß man wissen:

Der Mittagssschlaf ist sowas von gesund.

So tun es täglich Wissenschaftler kund.

Dort steht das Sofa, auf ihm liegt ein Kissen.

 

Ich bette sanft mein Köpfchen auf das Kissen

und lese noch, doch komme ich nicht weit.

Denn dazu bin ich auch nicht mehr bereit.

Ich will jetzt von der Welt mal kurz nichts wissen.

 

Betonung liegt auf kurz: ein Viertelstündchen,

viel länger wäre wirklich nicht sehr klug.

Ein Viertelstündchen ist doch wohl genug.

 

Mir reicht ein kurzes, schlummervolles Ründchen.

Und wenns doch länger geht, dann sei es drum.

Ich bin sehr müde: summ summ summ summ summ.

Kurzer Brief an die KI

Neulich träumte ich, mir sei die Aufgabe gestellt worden, einen Brief an die KI zu schreiben. Was ich, im Traum, dann auch tat:

„Liebe KI,

wie wär´s, wenn ich uns ein Päckchen Zigaretten kaufe, wir gemeinsam eine rauchen und dann überlegen, wie es weitergehen könnte mit uns beiden, Dir und mir?“

Auch bei Tag und Licht betrachtet gefällt mir dieses Brieflein irgendwie. Fragt mich nicht warum.

Dialog im Badezimmer (2)

Samstagmorgens vor dem rituellen gemeinsamen Café-Besuch: Zuerst ist der Vater im Badezimmer, danach der Sohn. Der Vater kehrt kurz zurück, stellt sich mit Bürste neben den Sohn vor den Spiegel und sagt:

„Ich müsste nochmal kurz…“

Darauf der Sohn:

„Du hattest deine Zeit, alter Mann.“