Von Ella Fitzgerald gibt es die Legende, sie habe nie in ihrem Leben einen falschen Ton gesungen. Ich glaube das sofort. Überprüfen läßt es sich eh nicht. Und meine Schwiegermutter Christiane, die Ella Fitzgerald in Hamburg live on stage erlebte, kann ich nicht mehr fragen.
Keine falschen Töne, aber trotzdem natürlich nicht vor Pannen gefeit. Ausgerechnet bei einem Auftritt in West-Berlin im Jahr 1960 vergaß sie den Text von „Mac the Knife“. Was peinlich hätte werden können, machte Ella Fitzgerald zu einem Bravour-Stück der Improvisation:
Im Jahr drauf wurde Ella Fitzgerald speziell für diese Performance mit einem Grammy geehrt.
Was ich aber eigentlich erzählen wollte:
Wie vom Donner gerührt hört ich neulich zum ersten Mal in meinem Leben einen Jazz-Standard, den alle Welt kennt – außer mir: Den Song „Nature Boy“, der 1948 von Nat King Cole veröffentlicht und seither hundertfach gecovert wurde.
Zum Beispiel eben von Ella Fitzgerald. Die Version, die der algorithmisierte Zufall mir servierte, stammt von der späteren Ella und dem Jazz-Gitarristen Joe Pass: Stimme, Gitarre, ein kurzer, leicht mystischer Text, eine vertrackte, aber trotzdem eingängige Melodie. Kurz: ein Wunder von Lied:
„The greatest thing you’ll ever learnIs just to love and be loved in return“
P.S. Auch für dieses Album gewann Ella Fitzgerald 1977 wieder einen Grammy.
P.P.S. Weil ich nicht allzu viel über Ella Fitzgerald weiß, las ich eben noch ein wenig nach und erfuhr by the way ein wertvolles Detail: Auch Marilyn Monroe war ein großer Ella-Fan. Sie nutzte ihre Bekanntheit, um 1954 dafür zu sorgen, daß Ella Fitzgerald trotz Rassentrennung für große Bühnen gebucht wurde. Und trug so wohl wesentlich zum Durchbruch der Sängerin bei. Die beiden Frauen blieben bis zu Marilyn Monroes Tod im Jahr 1964 befreundet.