Vor einigen Monaten ist der Journalist Georg Stefan Troller im Alter von 103 Jahren gestorben – nach einem Leben, das bewegt zu nennen ziemlich untertrieben ist. Mit 97 Jahren veröffentlichte er ein Buch, in dem er 97 Begegnungen mit interessanten, überwiegend berühmten Menschen schildert: eine Fundgrube für Zitate und Anekdoten. Zum Beispiel diese kleine Geheimnispreisgabe der Schauspielerin und Sängerin Valeska Gert.
Troller traf sie im Pariser Café du Dome. Wo sie ihm folgendes erzählte:
„Hier an diesem Tisch saß ich schon in den Zwanzigerjahren mit meinen Heroen: dem genialen russischen Regisseur Sergei Eisenstein, und dem gerade in Mode gekommenen Dichter Bertolt Brecht. Von beiden habe ich mir ein Kind gewünscht. Eisenstein lag nächtelang neben mir im Bett, ohne mich jemals zu berühren. (…) Brecht seinerseits, mein Gott! Er wusch sich ja damals nie. Und roch unter der ewigen Lederjacke dermaßen scharf, dass sogar mir die Lust verging. Und das will etwas heißen.“
Kurzzusammenfassung: Bertolt Brecht roch so scharf, daß es sogar Valeska Gert unscharf machte.
Bei meiner nächsten Lektüre der ja teils sehr schönen Gedichte von Brecht werde ich versuchen müssen, dieses Zuviel an Information auszublenden.
P.S. An der Überschrift gefällt mir, wenn ich das sagen darf, besonders die (1) hinter „Stinkende Dichter“, die suggeriert, hier gehe es jetzt los mit einer großangelegten Serie über übelriechende Autorinnen und Autoren. Habe ich aber gar nicht vor. Inspiriert wurde dieser Kunstgriff übrigens von einem frühen Randy Newman-Song namens „The Girls in My Life (Pt. 1)“.
