Für Gino Paoli
Es war,
sagte er später,
ein Gefühl von unendlicher Langeweile in mir,
jeden Tag die gleichen Dinge,
sagte er später,
man steht auf, geht ins Bad,
immer die gleichen, banalen Dinge,
und ich beschloss zu gehen.
Und so schoss er sich
mit gerade mal Dreißig,
schon berühmt, aber nicht glücklich,
eine Kugel in die Brust.
Sie blieb in der Herzwand stecken,
inoperabel, weil zu gefährlich,
sagten die Ärzte.
Also lebte er weiter,
mit der Kugel im Herzen,
sang wieder und weiter,
spielte Gitarre,
bis die Katze schnurrte.
Die Kugel in meinem Herzen,
sagte er später,
hat mich das Leben intensiver leben lassen
und immer daran erinnert,
sagte er später,
daß es irgendwann zu Ende ist.
In seinem Fall meinte irgendwann
sehr viel später.
Mehr als sechzig Jahre
lebte er mit der Kugel in seinem Herzen.
Was wird aus ihr,
jetzt, wo er gestorben ist,
mit 91 Jahren?
Nimmt er sie mit ins Grab?
Klaubt sie jemand aus der Asche?
Das darf man sich fragen,
man muß es nicht wissen.
Was wir aber wissen müssen:
Wenn er Gitarre spielte,
schnurrte die Katze,
lächelte ihn an
und ging wieder hoch auf den Dachboden.