Nochmal kaputt

Zwei schlaue Andreasse geben nicht nach und keine Ruhe und versuchen, mich mit Hilfe je eines  Dokumentes endgültig von meiner These abzubringen, daß kaputte Dinge grundsätzlich und immer nur als „defekt“ bezeichnet werden.

Beim ersten Dokument handelt es sich um einen von Kinderhand an eine Kölner Privatklotür angebrachten Hinweis:

kaputt 2

Und dieser Hinweis hier fand sich an einer schon fast antik wirkenden Berliner Spülmaschine:

kaputt 1

Beide Dokumente aber zeigen eigentlich nur, daß es im privaten Umfeld offenbar möglich ist, kaputte Dinge auch als „kaputt“ zu deklarieren. Im öffentlichen Raum aber (ICE, Kantine etc.) wird das „kaputte“ Ding dann doch wieder als „defekt“ verbrämt (siehe Beispiele weiter unten).

Was schön ist

Da braust du über die Autobahn, schon schnell, aber nicht zu, und im Auto ist es still. Die Frau neben dir hat die Schuhe ausgezogen, die Beine hochgelegt und schaut in die Landschaft hinein. In deinem Rücken schläft das Töchterchen wie hingegossen in der Babyschale. Auf der anderen Seite das Söhnchen, hat Kopfhörer auf, Walkman in der Hand, lauscht schweigend. Du genießt das gemütliche, geräuschlose Rauschen. Und mitten in dieser Stille hörst du von hinten eine Stimme, die völlig unvermittelt, etwas zu laut, aber wie selbstverständlich feststellt:

„Im linken Faß ist Wickie.“

Zimmer mit Dom-Blick

Dom-Blick

Ich hatte ein Zimmer mit Blick auf den Dom

und sehr großem Fenster. Dort stand ich und sah:

Er war beinah nackt, nur ein schmales Gerüst.

Dann drängte die Zeit, denn ich wollte noch weg.

Ich machte mich frisch und zurück aus dem Bad,

ganz nackt in dem Zimmer mit Blick auf den Dom,

erschrak ich ein bißchen, weil plötzlich war klar:

Der Dom hat ja seinerseits Blick auf den Brück.

Dom-Blick

Wenn ich mir was wünschen dürfte

Folgende irritierende Meldung neulich in der Zeitung gelesen:

China geht gegen Stripper bei Beerdigungen vor

PEKING – Das chinesische Kulturministerium hat angekündigt, ab sofort mit aller Härte gegen Stripper bei Trauerfeiern vorzugehen: „Von Zeit zu Zeit kommt es auf dem Land zu Striptease-Darbietungen und anderen illegalen Aufführungen“, erklärte das Ministerium in Peking. Alle darin verwickelten Personen müßten künftig mit Ermittlungen und mit Strafen rechnen. Nach Angaben der staatlichen Agentur Xinhua werden die Stripper in ländlichen Gebieten oft von Hinterbliebenen gebucht, um möglichst viele Gäste zu einer Beerdigung zu locken.

Wenn ich mir also für den Fall, daß,

was wünschen dürfte, dann:

lieber weniger Gäste.

Strand gegen Hure

Aufs schönste genährt wurde mein dumpfer Antiamerikanismus in den achtziger Jahren von einer Jahrgangsstufen-Kameradin. Vorher noch zurechnungsfähig und von mir sogar für würdig erachtet, meine Freundin sein zu dürfen, kehrte sie nach einem Jahr als Gastschülerin in den USA  mit einem Button an der Jacke zurück. Darauf ihr offenbar neues Lebensmotto:

„Life´s a beach“

In diesem Slogan schien mir all das verdichtet, was ich und meine Mitstreiter in der Karl-Marx-AG, die wir uns vorgenommen hatten, das „Kapital“ komplett zu lesen und zu verstehen, für Amerika hielten: verabscheuungswürdige Oberflächlichkeit und ekelerregende Freude am Dasein.  Erst Jahrzehnte später,  nämlich neulich, fiel mir auf, daß der Spruch auf dem Button vermutlich eine Abwandlung der Lebensverächter-Losung

„Life´s a bitch“

war. Und damit zumindest origineller als ich damals. Mit dieser Einsicht hoffe ich, im Alter von nunmehr 46 Jahren, Überheblichkeit gepaart mit Unwissen, meine Jugend also, endgültig hinter mir lassen zu können.

Nackte Frau im Stau geköpft

Eine Kollegin berichtete von einem Seminar zum Thema „Schreiben für Online“. Im Kampf um das rare Gut Aufmerksamkeit, sei es, so der Trainer, entscheidend, möglichst viele „Key“- und „Trigger“-Wörter in Schlagzeile und Text unterzubringen. Besonders gut funktionierten erwartungsgemäß Begriffe aus den Bezirken Sex, Service und Horror. Eine Überschrift, die beste Chancen habe, angeklickt zu werden, sei demnach:

„Nackte Frau im Stau geköpft“

Unter lyrischen Gesichtspunkten wäre die Variante

„Nackte Frau, geköpft im Stau“

noch etwas stimmiger.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, ein zwar verwandtes, aber deutlich idyllischeres Motiv zu besingen. So an einem frühen Frühlingstag von mir selbst gesehen in Berlin-Neukölln:

 

Frühlingsmotiv

 

I.

Stell dir mal vor:

am Himmel: eine liebe Sonne,

in der lieben Sonne: ein Balkon,

auf dem Balkon: eine Nähmaschine,

an der Nähmaschine: eine junge Frau,

die junge Frau: mit nackten Brüsten.

Stell dir mal vor!

 

II.

In der ersten Sonne sitzt

sitzt auf dem Balkon die junge

junge Frau mit nackten Brüsten

Brüsten an der Nähmaschine

Nähmaschine in der Sonne

Sonne sitzt auf dem Balkon.

 

III.

Nähmaschine

nackte Brüste

junge Frau

Balkon

und

Sonne.

Finde die fünf Scheusslichkeiten

Einen der abstoßendsten Sätze, die ich je las, habe ich vor ein paar Monaten im ´Tagesspiegel´ gefunden. Der zitiert aus einem Gutachten für das Bundesverteidigungsministerium:

„Das Management von Rüstungsprojekten verlangt eine Führungskultur, in der Transparenz und Integrität gelebt werden.“

Auf insgesamt 14 Wörter kommen mindestens fünf üble Scheußlichkeiten, die sich aufs Unschönste zu einem Konglomerat der Obszönität zusammenklumpen.

Wie ich einmal Gott verlinkte

Sankt Neffs Neffe Niklas hielt vergeblich Ausschau nach einem „Kaputt“-Schild, stieß dafür aber  auf diese heiligmäßige Buchstaben-Kombination hier:

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Das NEFF-Mobil ist also im Rhein-Kreis Neuss gemeldet. Zu diesem Kreis gehört auch die Ortschaft Allerheiligen. Und dort wohnt Roman Aplowski. Jener Roman Aplowski, der für die Sankt Neff-Seite das Gedicht „Was Gott sich dachte, als er mich machte“ eingesprochen hat:

Gott

Teufel auch! – Alles ist mit allem wunderlich verbunden.

Mein All