Kühe (9)

Zu Weihnachten geschenkt bekam ich ein Buch über die täglichen Rituale berühmter Künstlerinnen und Wissenschaftler. Es heißt „Für mein kreatives Pensum gehe ich unter die Dusche“ und ist eine Fundgrube für skurrile Angewohnheiten. Was tun Menschen nicht alles, um über Jahre möglichst Tag für Tag produktiv, kreativ, ideen- und einfallsreich zu sein und zu bleiben.

Die us-amerikanische Schriftstellerin Gertrude Stein zum Beispiel mochte Kühe als Musen. Deshalb fahren ihre Lebensgefährtin Alice Toklas und sie

„in ihrem Ford herum, bis sie einen geeigneten Ort finden. Miss Stein steigt aus, setzt sich mit Stift und Notizblock auf einen Klappstuhl, und Miss Toklas treibt furchtlos eine Kuh in ihr Blickfeld. Wenn die Kuh nicht zu Miss Steins Stimmung passt, steigen die Damen wieder ins Auto und fahren zur nächsten Kuh. Hat sie eine Eingebung, so schreibt Miss Stein schnell, etwa fünfzehn Minuten lang. Die meiste Zeit sitzt sie allerdings einfach nur da, betrachtet Kühe und rührt keinen Finger.“

Vielleicht könnte das ein Titel für meinen neuen Gedichtband sein:

„Komm, wir fahren zur nächsten Kuh.“

Ein Gedanke zu „Kühe (9)“

  1. Hannegret Biesenbaum, die immer mal wieder „Mein All“ besucht, las hier über Kühe als Inspirationsquelle, ließ sich von ihnen inspirieren und mir das Ergebnis schönerweise zukommen:

    Aber wieso denn?!

    Ich sah eine Kuh,

    die saß in Ruh‘

    ganz allein

    auf einem Stein.

    Da kam der Bauer,

    der war ein ganz Schlauer

    und baut‘ ne Mauer:

    Die Kuh fällt in Trauer,

    der Weg ist verbaut,

    der Blick versaut.

    Die Kuh dreht sich um,

    denkt „sei’s drum“.

    Herbei lockt sie ein Kind,

    das lacht laut im Wind,

    zeigt nur noch den Rücken,

    auch der kann entzücken.

    Ich laufe davon,

    come on.

    Mir ist es zu fad.

    Schad!

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