Noch ist es ja möglich, immer wieder mal, einfach so zwischendurch und kostenlos, weil man gerade in der Gegend ist, in den Kölner Dom hineinzuspazieren, zum Gerhard-Richter-Fenster zu pilgern, durch dessen Lichteinfall Gott höchstpersönlich zu uns spricht, ein Kerzchen anzuzünden, um lieber toter Menschen zu gedenken – und sich dann planlos noch ein wenig treiben zu lassen und umzuschauen in dieser großen, strengen Kirche. So taten es Theodor und ich auch zuletzt wieder – und entdeckten dabei einen marmornen Heiligen, der uns bislang verborgen geblieben war:
Engelbert heißt er.
Ich wußte nichts über ihn. Was ich dann nachlas, klingt nicht so heiligmäßig:
Im 13. Jahrhundert war Engelbert Erzbischof von Köln und wird beschrieben als ein „brutaler, rücksichtsloser Machtmensch“. Am 7. November 1225 wurde er in einem Hohlweg in Gevelsberg erschlagen. In den Mord verwickelt war offenbar sein Widersacher Friedrich von Isenberg, der seinerseits ein Jahr später in Köln gerädert wurde. Friedrich soll die Angreifer im Kampf gegen Engelbert einerseits angefeuert, andererseits aber immerhin die Enthauptung der Leiche verhindert haben.
Die Gebeine Engelberts werden heute in einem kostbaren Schrein in der Schatzkammer des Kölner Doms aufbewahrt, das separat bestattete „Herz des Heiligen“ ist im Altenberger Dom zu besichtigen. Fingerreliquien befinden sich in Solingen und in der Währinger Pfarrkirche in Wien. Dort vorgehalten wird auch das Stück einer Rippe und in Gevelsberg ein Teil des Unterarmes.
Wikipedia weiß zudem, daß im Jahr 1978 Gerichtsmediziner die Gebeine Engelberts untersuchten und dabei fast 50 Verletzungen durch Hiebe und Stiche nachwiesen: „Die hohe Zahl der tiefen Verletzungen wird als Zeichen heftiger Gegenwehr Engelberts und panischer Reaktion der Angreifer interpretiert, da bereits wenige dieser Hiebe sicher tödlich gewesen sind.“
Der Engelbert war also vermutlich ein eher böser Mensch, der ein brutales Ende fand.
Denkt man nicht, oder, wenn man ihn so sieht als lustige Liegefigur, die ein geflügelter Putto zärtlich am Finger berührt?
Die ganze üble Geschichte zu einer Ballade verdichtet hat übrigens Annette von Droste-Hülshoff. Liest Du hier: