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Kühe (2)

Mein uckermärkischer Gewährsmann Jörg M. hat seit ein paar Jahren im kleinen Ort Sternhagen ein schönes Haus aus Holz. In der Nähe seines Grundstücks befindet sich ein Bauernhof mit Viehwirtschaft .  Kühe und Kälber stehen gemeinsam auf der Weide.  Wenn der Bauer aber beabsichtigt, Kälber zu verkaufen, macht er das so:

Eines Abends treibt er alle Tiere zusammen in den Stall.  Das ist dann ein großer Zug durchs Dorf. Am nächsten Morgen bringt er die Kühe  zurück auf die Weide und läßt die Kälber auf dem Hof, damit er sie widerstandslos zum Käufer bringen bzw. von diesem abholen lassen kann.   Wären die Kühe dabei, würden sie den Abtransport  nicht zulassen.

Fatalerweise kapieren es die Kühe jedes Jahr zu spät: Sobald sie bei der nächsten Rückkehr in den Stall merken, daß ihre Kälber weg sind, schreien sie vor Leid ohrenbetäubend und tagelang und laut Jörg so schrecklich, daß er in dieser Zeit seine Fenster nicht öffnen kann.

Das hätte ich auch nicht gedacht, Lena Gercke,

daß ich ausgerechnet mit einer wie Ihnen, die Ihrer Lehrmeisterin Heidi Klum an Kackbratzigkeit kaum nachsteht, mal einer Meinung sein würde. Aber wenn Sie der Zeitschrift „Joy“ anvertrauen, Sie fänden es „furchtbar“, sich im Fernsehen zu sehen, bin ich total d´accord. Auch Ihrer Analyse kann ich sehr gut folgen: „Wie sich mein Gesicht bewegt, wenn ich spreche, und wie meine Stimme klingt – da schäme ich mich echt fremd.“ Nur in der Ableitung haben Sie etwas mißverstanden: Für Ihre unangenehme Mimik und die schlimme Stimme sollten Sie sich einfach nur schämen. Das Fremdschämen übernehmen gerne für Sie: alle anderen.

Viermal Realität

Arno Schmidt, Schriftsteller:

„Nur die Phantasielosen flüchten in die Realität; und zerschellen dann, wie billich, dran.“

*

Bernd Pfarr, komischer Zeichner und Maler:

„Am liebsten würde ich der ganzen Welt die Realität austreiben.“

*

Funny van Dannen, Sänger:

„Und ich wär´ hier so gerne zu Hause

Denn die Erde ist mein Lieblingsplanet

Doch ich werde hier nie so zu Hause sein

wie die Freunde der Realität“

*

Volksweisheit, Irland:

„ Realität ist eine Fiktion, die durch Mangel an Alkohol entsteht.“

Schwindelgefühl

Allen Angestellten, die nach Feiertagen und Jahreswechsel Schwierigkeiten haben, in den Arbeitsalltag zurückzufinden, sei ein raffinierter Trick von Freund Andreas anempfohlen:

„Krank feiern und sagen, man habe Schwindelgefühl. Dann lügt man noch nicht mal.“

Wie die Wirklichkeit mal wieder versuchte, die Literatur zu imitieren

Noch am Tag vor Weihnachten schrieb ich hier die Geschichte von dem kleinen Mädchen auf, das in ihrem Schlüpfer das klitzekleine Jesuskind aus der Kindergarten-Krippe entführte.

Heute nun lese ich in der Zeitung, daß am 1. Weihnachtstag auf dem Petersplatz in Rom eine Aktivistin der Gruppe „Femen“ – wie üblich mit nacktem Oberkörper – versuchte, das alles andere als klitzekleine Jesuskind aus der Krippe zu stehlen. Was ihr nicht gelang.

Merke: In der heiligen Literatur gelingen Dinge, die in der profanen Wirklichkeit nicht so ohne weiteres möglich sind. Irgendwie tröstlich.

Aber auch wieder nicht ganz richtig: Denn die Geschichte von dem im Schlüpfer entführten Jesuskind beruhte ja ihrerseits auf einer wahren Begebenheit.

Vielleicht stimmt es für heute so: Die Literatur kann das Leben imitieren, nicht aber das Leben die Literatur.